Warum lernen junge Kinder denn eigentlich so leicht und schnell? Oft sind wir Erwachsenen fasziniert, wie einfach das Lernen sein kann, wenn wir junge Kinder beobachten. Sie lernen in so kurzer Zeit unglaublich viel auf einmal, würden wir das Gleiche lernen müssen wäre das eine ganz schöne Herausforderung für uns. Auch wenn unser Gehirn neuroplastisch ist und wir in der Lage sind ein Leben lang zu lernen gibt’s doch einen Unterschied, der es Kindern leichter macht. Die Wirkung der Sensiblen Phasen! 

„Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die in der Entwicklung, das heißt im Kindesalter der Lebewesen auftreten. Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab.“ 

Montessori, Maria: Kinder sind anders, München 2002, S. 47

Maria Montessori hat beobachtet, dass Kinder in bestimmten Zeitfenstern besonders empfänglich sind bestimmte Fähigkeiten zu erlernen. Beobachten wir Kinder in unserem Alltag achtsam können wir möglicherweise Hinweise erkennen, welche Sensiblen Phasen aktuelle besonders wirksam sind. 

Manche Phasen dauern über einen längeren Zeitraum an, beispielsweise die Sensible Phase der Sprache. Diese beginnt schon vor der Geburt und dauert bis ungefähr zum sechsten Lebensjahr an. Die Sensible Phase für Ordnung hingegen ist in einem kürzeren Zeitraum zu beobachten und am stärksten im zweiten und dritten Lebensjahr ausgeprägt. 

Eine sensible Phase baut sich generell langsam auf, erreicht dann einen Höhepunkt und schwächt danach wieder ab. 

So, was heißt das jetzt konkret für unseren Alltag? Wissen wir, um die Sensiblen Phasen und deren Wirkung können wir dem Kind hier eine Umgebung schaffen und als Erwachsene achtsam sein, um dem jeweiligen Kind ein Erfahrungsspektrum zu bieten, welches ihm Antwort gibt auf seine aktuellen Sensiblen Phasen und die damit verbundenen Bedürfnisse. 

Konkret machen möchte ich es an der Sensiblen Phase für kleine Dinge. Diese Phase ist zu beobachten bei Kindern im zweiten Lebensjahre. Das Kind hat ein besonderes Interesse für kleine Dinge, es hebt kleine Krümmel, Fussel, etc. auf, es versucht auch Ameisen, Käfer, Fliegen oder ähnlich kleine Tiere mit den Fingern zu fangen. Warum ist diese Phase jetzt bedeutsam? Die Kinder nutzen hier Daumen und Zeigefinger und jedes Mal, wenn sie so ganz kleine Dinge aufheben, üben sie sich im sogenannten Pinzettengriff. Eine Bewegung der Finger, welche die Hand weiter ausbildet und für andere Tätigkeiten, wie beispielsweise das Schreiben, vorbereitet. Ich finde d asunglaublich faszinierend, wie die Entwicklung von Kindern passiert und das Phänomen der Sensiblen Phasen sich zeigt. 

Ich lade dich ein Aufmerksam im Alltag zu sein, beobachtest du bei deinem Kind auch ein besonderes Interesse? Ein Zeitfenster für eine besondere Empfänglichkeit? Vielleicht im Bereich der Bewegung, der Ordnung oder was ganz anderes? 

Ich hoffe ich konnte dir einen Einblick in das Wirken der Sensiblen Phasen geben – das Thema ist riesengroß und mit dem Artikeln geh ich nur auf eine klitzekleinen Teilbereich ein.