Du hast Dich sicher schon oft gefragt, warum lernt mein Kind so schnell unsere Sprache auf so selbstverständliche Weise? Oder Du hast beobachtet, dass Dein Kind im gleichen Wortlaut mit der gleichen Betonung wie Du spricht?

Warum ist das so?

In den ersten sechs Lebensjahren verfügen die Kinder über eine besondere Kraft – den absorbierenden Geist!  Besonders stark ausgeprägt ist der absorbierende Geist bis zum dritten Lebensjahr, danach nimmt er bis zum sechsten Lebensjahr hin langsam ab.

Der absorbierende Geist ermöglicht ein unglaublich schnelles lernen, da er alles was in der Umgebung ist, in der Umgebung geschieht ungefiltert wahrnimmt, beziehungsweise aufsaugt. Die Eindrücke aus der Umgebung formen den Geist des jungen Menschen – so baut er/sie sein eigenes selbst auf.

„Der absorbierende Geist nimmt alles auf, hofft alles; akzeptiert die Armut wie den Reichtum, akzeptiert jeden Glauben, die Vorurteile und Gebräuche seiner Umgebung: Er inkarniert alles. Das ist das Kind! … Der absorbierende Geist ist die Basis der vom Menschen geschaffenen Gesellschaft. Er erscheint uns unter der Form des zarten und kleinen Kindes, das die geheimnisvollen Schwierigkeiten des menschlichen Schicksals mit der Kraft der Liebe überbrückt.“

Montessori, Maria: Das kreative Kind. – Freiburg i. Br. 1972, S. 263-264

Die Kinder speichern alle Erfahrungen unbewusst ab. Auch wenn wir Menschen als Kinder oder später als Erwachsene nicht bewusst auf diese Erfahrungen und Eindrücke zugreifen können, sie sind vorhanden und prägen uns Menschen ein Leben lang.

Was heißt das jetzt für uns als Erwachsene?

Mein Apell an Dich ist – sei FILTER! Überlege Dir genau wie Du Dich Deinem Kind gegenüber verhältst – wie Du die Umgebung für Dein Kind gestaltest und wie Du vor Deinem Kind mit anderen Mensch sprichst!

Wie kannst Du das schaffen?

Beobachte Dich selbst im Alltag. Wie nimmst Du Gegenstände in die Hand, beispielsweise Geschirr, Kleidung, … Trägst Du viele Dinge gleichzeitig? Sind Deine Bewegungen eher schnell und hektisch oder achtsam und langsam? Sprichst Du mit Deinem Kind wie mit einem Menschen oder in einer Babysprache? Telefonierst Du während dem Essen? Laufen der Fernseher oder das Radio dauerhaft im Alltag nebenher? Das sind alles Beobachtungsbeispiele. Du findest sicher selbst noch viel mehr Situationen, die Dir gerade wichtig sind.

 

Nach Deiner Ist-Stand-Analyse überlege dir genau, was Du willst, dass Dein Kind absorbiert? Was soll es für Erfahrungen sammeln? Welche Werte möchtest Du ihm/ihr mit auf dem Weg geben? – Notiere Dir gern, was Dir hier einfällt und greife Dir nach und nach Punkte raus, die Du für Dich im Alltag umsetzen willst.

 

Ich freu mich auf Eure Kommentare – lasst es die anderen auch wissen, welche Themen in Bezug auf den Absorbierenden Geist Dich/Euch im Alltag bewegen!